Der Urahn aller Kabinenroller: L´Oeuf Electrique von 1942

Der französische Designer und Künstler Paul Arzens (1903-1990) ist einer der bevorzugten Gestalter der französischen Staatsbahnen SNCF gewesen. Aber bereits vor dem Krieg hatte er sich einen eigenen Roadster gebaut, der für viel Aufsehen sorgte. Für „La Baleine“, den Wal, nahm er ein Buick-Chassis der späten 20er Jahre und baute 1938 eine Sieben-Meter-Karosse darauf. Hintergrund für diese enorme Größe war der Platz. In den Kofferraum passten auch ausladende Entwürfe und den Innenraum nutzte Arzens als Atelier…

Arzens La Baleine 1938

La Baleine, der „Wal“ von 1938 auf Buick-Fahrgestell.

Dass ihm dieses Auto für die Pariser Innenstadt dann vielleicht doch zu groß geworden ist, beweist sein spektakulärer Entwurf von 1942: „L´Oeuf Electrique“, das elektrische Ei. Fast schon der Bionik entlehnt präsentiert sich dieser Urvater aller Kabinenroller der 50er Jahre. Und die Rechnung ist ganz einfach. Kaum eine Form ist stabiler als die Kugel und nirgendwo bekommt man so viel Innenraum im Verhältnis zur Außenschale!

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Das Ei von hinten.

Paul Arzens wurde, so wird es erzählt, eines Tages damit in der Pariser Innenstadt von einem sehr interessierten Passanten angesprochen. Kein Geringerer als Ettore Bugatti persönlich war auf das Ei aufmerksam geworden. Dem Leichtbau-Pionier dürfte das Ding auch gefallen haben.

Paul Arzens bewegte das kleine Mobil zuerst mit Elektromotor und großem Blei-Akku, später setzte er einen kleinen Zweitakter ins Heck.

Beide Autos, la Baleine, den Wal und das Ei, hat der berühmte Designer Zeit seines Lebens bewegt! Sie stehen heute als Leihgabe im Nationalmuseum der Franzosen, in der Collection Schlumpf in Mülhausen.

heinkel kabine 11

Heinkel Kabinen und deren Lizenzbauten von Trojan und Dundalk. Gebaut ab 1956, ganze 14 Jahre später.

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