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Das Klassiker-Magazin der Oldtimer-App.com http://www.oldtimerapp.com Aktuelles zu Oldtimern und Youngtimern Thu, 13 Jul 2017 20:30:13 +0000 de-DE hourly 1 Bella Italia, made in Niederbayern http://www.oldtimerapp.com/?p=1856 http://www.oldtimerapp.com/?p=1856#respond Thu, 13 Jul 2017 20:23:30 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1856 Heinz Köster und sein rares Glas GT Cabriolet

Rot duckt sich das schnittige Cabriolet auf die Straße. Kaum hat Heinz Köster aus Olpe seine vollrestaurierte Rarität abgestellt, wird der Sportwagen auch schon von Passanten umrundet. Auf dem Chromgrill prangt deutlich ein goldenes „G“, also kann es ein Alfa oder Fiat wohl nicht sein. „Aber aus Italien muss er stammen, das sieht doch wohl jeder.“

Die Zuschauer liegen zumindest halb richtig. Seine alte Heimat findet das Glas 1300 GT Cabriolet jedoch im niederbayrischen Dingolfing.

Dort, wo sich heute das größte BMW-Werk des Kontinents befindet, stand einst die Landmaschinenfabrik der Hans Glas GmbH. Der Mittelständler setzte bereits 1951 auf die Pro- duktion eines Motorrollers, der Durchbruch gelang ihm jedoch ab 1955 mit dem Goggomobil, einem rasenden Kohlenkasten mit kreischendem 13,6 PS-Motörchen, der bald auch als Coupé zu haben war.

Die hinreißende Karosserie entwarf der einflussreiche Turiner Designer Pietro Frua (1913-1983). Gefertigt wurde sie bei Maggiora in Moncalieri bei Turin, bevor sie in Dingolfing montiert wurde. Heinz Köster restauriert gerade ein Glas 1700 GT Cabriolet.

In Zeiten, als der VW-Käfer noch für viele Nachkriegsdeutsche ein Wunschtraum war, lag man mit dem Kleinstwagen genau im Trend und verkaufte gut 200.000 Exemplare. Die Kassen waren also gefüllt und der Blick ging nach vorn. Richtige Autos wollte man bauen. Mit Typen wie dem „1004“ wilderten die Niederbayern bald auf dem Markt, jedoch noch immer belächelt und stigmatisiert als Erbauer des Goggomobils, was den Dingolfingern naturgemäß sauer aufstieß.

Der klassische „Uhrenladen“ mit seiner üppigen Instrumentierung spiegelt den Zeitgeschmack der Sechziger Jahre wider: So hatte ein echter Sportwagen auszusehen.

Das änderte sich spätestens 1963 auf der IAA, als die hinreißende GT-Serie, gezeichnet von Star-Designer Piero Frua, dem sprachlosen Publikum vorgestellt wurde. Kurze Zeit später setzte die Hans Glas GmbH noch eins drauf und präsentierte gar einen Achtzylinder, dann ging bald die Pus- te aus. BMW übernahm die Firma im November 1966, der Rest ist bekannt.Heinz Köster kaufte sich 1980 ein verrottetes Goggomobil Coupé, um es in Olpe zu restaurieren. Er erinnert sich: „Unten in der Straße wohnte Rolf Konen, der ausgerechnet Vorsitzender des Glas-Clubs war, was ich gar nicht wusste.“

1965 kam der 1700 GT hinzu, ein Langhuber mit 100 PS, der das nur 920 Kilogramm leichte Cabriolet in 11,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigte und 185 Spitze erreichte: 1965 echte Porsche-Liga!

Auf einem Treffen in Bad Honnef begegnete ihm bald darauf der erste Glas GT und es war um ihn geschehen.Nicht nur Zuhause, sondern auch bei seinem Arbeitgeber, der Metallgießerei Ohm&Hähner, hatte Heinz Köster die richtigen Möglichkeiten, die Restauration auch eines größeren Fahrzeugs durchzuziehen. Er fackelte nicht lange und erstand ein durch und durch marodes GT-Coupé, das in den folgenden Jahren aufwändig wieder- auferstehen sollte.1994 dann konnte er endlich das Cabriolet in seinen Besitz bringen.Die Karosserien wurden bei Frua in Turin gebaut, um anschließend in Dingolfing montiert zu werden. Und bei italienischen Fahrzeugen aus den 60er Jahren gehört der Rost heute leider zur Grundausstattung.“

Heinz Köster aus Olpe-Lütringhausen hat bei der langjährigen Restauration seines Glas 1300 GT Cabriolets von 1965 ganze Arbeit geleistet. Fotos: Achim Gandras

Heinz Köster lacht und sagt dann: „Er war total durch. Ganze Blechpartien hatten sich in Blätterteig verwandelt, obendrein war das Auto mit soviel Schwung aufs Dach -pardon- Verdeck gelegt worden, dass sogar der Scheibenrahmen abgeknickt war.“

Das ramponierte Edelwrack dämmerte nach dem Unfall dann viele Jahre in einem Hühnerstall in Kitzingen vor sich hin.

Als ich ihn von seiner gröbsten Dreckschicht befreite, lagen auf dem Sitz noch ein paar Eier.“

Hunderte von Arbeitsstunden sind seither vergangen. Ganze Karosseriepartien fertigte der Schlosser nach, seltenste Teile mussten zusammengesucht oder reproduziert werden.Heinz Köster: „Vom Glas GT Cabriolet sind insgesamt nur 365 Stück gebaut worden, von denen noch 115 registriert sind. Da wird die Sache schnell mal eng.“ Auch mechanisch hat der Wagen einige Finessen zu bieten, denn der Glas-Vierzylindermotor war das erste Serienaggregat mit Nockenwellenantrieb per Zahnriemen – es geht die Mär, die Glas-Kon- strukteure hätten sich das Prinzip an einer defekt zerlegten Küchenmaschine abgeguckt.

 

Was damals noch argwöhnisch von der Konkurrenz belächelt wurde, ist heute Usus im KFZ-Bau, was kein Wunder ist: der Glas GT rekrutierte aus 1300 ccm eine Leistung von 85 drehfreudigen Pferdestärken, Mitte der Sechziger war man damit auf Porsche-Niveau. Das gilt heute übrigens auch für die Preisentwicklung, aber über Geld spricht man ja bekanntlich nicht.

Rechnen lässt sich das eh nicht, 15 Jahre Arbeit…“ Heinz Köster dreht den Zündschlüssel, ohne Murren setzt sich die glänzend polierte Fuhre in Gang, das Cabriolet wirkt leichtfüßig wie ein modernes Fahrzeug, nur die Augen bleiben an den vielen liebevollen Details hängen – nein, so etwas gibt es heute nicht mehr.

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Mit 1,25 PS an den Gardasee – Ein Abenteuer vor 60 Jahren http://www.oldtimerapp.com/?p=1852 http://www.oldtimerapp.com/?p=1852#respond Fri, 30 Jun 2017 10:59:57 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1852 Mit etwas Glück kann man ein Flugticket nach Mailand oder Rom schon für dreißig Euro bekommen. Einchecken, abheben, und schon zwei Stunden später ist man in Bella Italia. Als sich der neunzehnjährige Paul Brych aus Südwestfalen hingegen auf den Weg dorthin machte, da dauerte die Reise dann doch noch etwas länger.

Er hatte nämlich keinen weichen Polstersessel im Jet gechartert. Aber er hatte ein Moped. Endlich! Einen nachtschwarzen 1,25 PS-Feuerstuhl, Marke Vaterland aus Neuenrade, hart erarbeitet, bar bezahlt und auf der Langstrecke garantiert schneller als jeder Drahtesel.
Das war 1957, und das erforderliche Fernweh hatte sich dabei portionsweise eingestellt. Vater Paul Brych senior, Jahrgang 1886, hatte sich 1951 mit einem Damenfahrrad ohne Gangschaltung von Attendorn in Westfalen nach München auf den Weg gemacht. Da wollte er eine Tante wieder aufspüren, die in den Wirren der Kriegszeit verlorengegangen war, nachdem sich die Familie aus Breslau auf den rettenden Weg gen Westen gemacht hatte.
Paul Junior machte es dem Vater schließlich in den Ferien nach, und zwar so, wie eine ganze junge Nachkriegsgeneration auf Reisen ging: Mit dem Drahtesel. 1954 ging es das Rheintal hinunter bis nach Mainz. Paul Brych erinnerte sich gern: „In Rüdesheim, da trafen wir ein paar Lehrjungen aus dem Bergbau. Die verdienten auch damals schon richtiges Geld. Und deshalb hatten auch alle ein Moped!“

Das Vaterland-Moped hatte nur einen Direktgang.Man konnte es über eine Annonce in der Zeitung beim Hersteller in Neuenrade bestellen. Die Anlieferung erfolgte zum nächstgelegenen Bahnhof als Stückgut.

Das ging ihm nicht mehr aus dem Kopf und klar, auch das Radeln machte keinen richtigen Spaß mehr. Also wurden die Ärmel ordentlich aufgekrempelt.
Paul hackte Brennholz und sammelte nicht nur Altmetall, sondern auch Pilze und Waldbeeren. „Sieben Zentner. In einem Sommer.“ 1956 war es schließlich soweit. „Heute kaum noch zu glauben, aber mein nagelneues Vaterland-Moped wurde per Bahnfracht fast bis nach Hause angeliefert!“
Die erste längere Fahrt geht gleich bis an den Bodensee. Eine echte Fernreise. Die Schwarzwald-Höhenstraße klingelte damals dem Westfalen in den Ohren wie heute vielleicht noch die Route 66 oder die Carrera Panamericana.
Und dann, hinter den Alpen: Italien! Verheißungsvolle Namen… Limone, Lido, Gardasee… Erste Urlauber hatten von dort ihre nachkolorierte Postkarten von Zitronenbäumen in Landschaften von explodierender Farbfülle geschickt, das Meer so blau wie ein Türkis. Für Paul Brych ganz klar: Da musste er hin. Und es war auch kein Problem mehr.
Er hatte ja ein Moped.
Am 30. Juni 1957 machte er sich morgens um vier mit einem Kollegen auf den Weg. „Der hatte eine NSU Quickly, da stimmte aber was nicht, da mussten wir alle 200, 300 Kilometer den Auspuff abmontieren und ausbrennen, sonst zog die nicht mehr.“ Na ja, wat mutt, dat mutt. Dennoch war das Gespann nach nur 17 Stunden bereits in München angekommen. Schnell frischgemacht in der Bahnhofsmission, und dann nichts wie ins Hofbräuhaus. Drei Liter passten in den Tank, dann passten die gefälligst auch in den Fahrer…
Der nächste Reisetag endete hinter Innsbruck, kurz vor dem Brenner. Nun, und dann ging es bergauf. Und zwar richtig, und das gleich zweimal. „Mittrampeln war da angesagt, das Vaterland-Moped in der günstigen Standardausführung hatte schließlich nur einen einzigen Direktgang… Der Jaufenpass war noch eine grobe Schotterpiste, die bei der Auffahrt zwar beschwerlich, dafür bei der Abfahrt entsprechend halsbrecherisch wurde… Paul fuhr bergab natürlich zum Spritsparen mit abgestelltem Motor, man hatte ja keinen Dukatenkacker in der Satteltasche.
Er erinnerte sich sehr gern an die Fahrt, die genau vor 60 Jahren begann. An die ersten Zypressen seines Lebens, die er zu sehen bekam, oder das ungläubige Kopfschütteln der italienischen Tankwarte, aber auch an das atemberaubende Panorama am Gardasee in einem der heißesten Sommer des 20. Jahrhunderts.
Und das alles mit dem Vaterland-Moped. Mit 1,25 PS, Direktgang und ab dafür.

Abschließend noch die Erinnerung an eine zum Teil so verregnete Rückfahrt, dass die besorgte Wirtin einer Herberge im Inntal ihn schon ob seiner merkwürdigen Krankheit zum Arzt schicken wollte. Als sich jedoch herausstellte, dass die krebsroten Hände nur Folge der im Dauerregen abfärbenden Wollhandschuhe waren, da war die Welt wieder in Ordnung. „Aufgetischt hat die gute Dame, mit Schinken und Käse und Bier und was weiß ich, und das alles inklusive Übernachtung für 3 Mark und 20 Pfennige.“

Paul Brych starb 2009. Dem Heinkel-Stammtisch Südwestfalen bleibt er unvergessen.

Paul Brych, 1938 geboren in Breslau, gestorben in Attendorn-Ennest 2009.

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Die Geliebte von der Wolga – Peppone lässt grüßen, Don Camillo… auch. http://www.oldtimerapp.com/?p=1830 http://www.oldtimerapp.com/?p=1830#respond Mon, 12 Jun 2017 00:29:06 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1830 Fest haben wir uns vorgenommen, nicht zu oft auf der Luxus-Welle mit zu schwimmen. Und hatten wir die für uns unfassbaren 5.000 „Likes“ auf Facebook mit dem wahrhaft exquisiten Maserati 5000 GT abgefeiert, so haben wir hier nun einen ganz wunderbaren Kontrast, den uns unser Partner Udo Freialdenhofen von den Deutschen Oldtimer-Reisen geschickt hat, als er jetzt mit einer Reisegruppe an der schönen Müritz unterwegs gewesen ist.

Der AwtoWAS Shiguli als Kombi. Ja, als Exportmodell aus der Sowjetunion hieß er Lada, was im Slawischen die Geliebte bedeutet. Ein Shiguli ist übrigens ein kleines Segelboot, wie es auf der Wolga seit jeher Verwendung findet – dieses Boot ziert auch das Firmenemblem.

Interessiert mich nicht! So ein weit verbreiteter Reflex, wie es scheint. Na ja, ein Hochglanz-Bolide ist es nicht, in der Tat, aber er erzählt eine große Geschichte der europäischen Automobilindustrie, die bis heute von besonderer Bedeutung ist.

In den 1960er Jahren brummte die Massenproduktion bei Fiat in Turin. Die Modelle 124, 125 und 128 gingen wie geschnitten Brot, im untersten Marktsegment motorisierte der Fiat 500 die Massen, fast wie der Käfer in Deutschland. Geschäftstüchtig, wie Fiat-Boss Gianni Agnelli war, wusste er als Großkapitalist durchaus die guten Beziehungen der italienischen Kommunisten nach Russland zu nutzen.

Der Chef der italienischen Kommunisten, Palmiro Togliatti (1893-1964), hatte während des Krieges Asyl in der Sowjetunion gefunden. Ab 1944 zurück in Italien, baute er mit der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) die größte rote Partei im Westen auf. Das war für Agnelli der Weg zu einem guten Deal mit den Russen. In Stawropol-Wolschskij an der Wolga, einem Städtchen, das gerade nach Bau eines Staudamms abgesoffen und neu am Ufer gebaut worden war, entstand ab 1966 eine Automobilfabrik, die den erfolgreichen Fiat 124 in Lizenz bauen sollte. Ab 1970 lief er als AwtoWAS Shiguli vom Band und sah seinem italienischen Bruder zum Verwechseln ähnlich. Der Kommunist Togliatti war jedoch inzwischen verstorben, und die Sowjets tauften den Namen des Ortes ihm zu Ehren um: Das Automobilwerk liegt heute in Toljatti, in der Buchstabierung dem Russischen angeglichen.

Wir sehen also, Fiat hatte keine Angst vor dem „Eisernen Vorhang“ des Ost-West-Konfliktes nach dem Krieg. Es entstanden zudem Fiat 128 mit Fließheck als Zastava in Jugoslawien, ebenso wie Fiat 125 und später 126 Bambino als Polski-Fiat, weiter südlich zudem der Mirafiori 131 als Murat Sahin in der Türkei. Andere Modelle aus Indien etc. lassen wir heute mal außen vor.

Tja, der Lada mit Fiat-Karosse wurde unter leichten Modifikationen bis 2012 gebaut. Das nennen wir doch mal Beständigkeit, wie sie sonst nur die Royal Enfield als Motorrad, ebenso wie das Tempo-Dreirad in Indien zelebrieren können. Und der englische Morgan gehört natürlich auch dazu.

Lada, nun ja. Der real existierende Sozialismus hatte so seine Engpässe, wobei wir auf die Ursachen hier nicht eingehen wollen, schließlich sind wir kein politisches Podium. Die Russen, stets verlegen um Devisen, boten den Italienern ein Kompensationsgeschäft an. So lieferten sie in den frühen 1970er Jahren Stahlblech nach Italien. Allerdings hatten sie das Material günstig aus Schrott eingeschmolzen und nicht ordentlich geschreddert, um zu trennen. So blieben in eingeschmolzenen Autowracks etc. die Kabelbäume, deren Kupfer mit in die Stahllegierung wanderte. Wer im Chemieunterricht aufgepasst hat, der weiß, dass die enorme Differenz bei der Elektro-Negativität zwischen Kupfer und Eisen eine regelrechte Batterie erzeugt, in der die Teilchen fließen und Korrosion entsteht… Das ist wohl der Grund für die unfassbar rostigen Fiat und Alfa-Romeo in der Mitte der 1970er Jahre! Russisches Batterie-Blech. Oder war das gar geplant? Verschwörungstheoretiker aller Länder, vereinigt euch!

 

 

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Wir feiern 5000 Daumen auf Facebook! http://www.oldtimerapp.com/?p=1825 http://www.oldtimerapp.com/?p=1825#respond Mon, 29 May 2017 08:44:04 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1825 Die Oldtimer-App ist natürlich auch auf Facebook zu finden. Heute feiern wir dort den 5.000. Daumen, den man uns in der letzten Nacht spendiert hat. Vielen Dank Ihnen, Euch allen!

www.facebook.com/Oldtimer-Youngtimer-App-427865330634863/?ref=bookmarks

Zur Jubelzahl 5.000 gibt es aber auch ein interessantes Auto, den Maserati 5000 GT, gebaut von 1959 bis 1964. Er hat in gewissem Sinne sogar etwas mit der Deutschen Zeitgeschichte zutun. Vor ziemlich genau 50 Jahren wurde in Berlin während der studentischen Ausschreitungen Benno Ohnesorg erschossen. Dies geschah im Umfeld des Staatsbesuchs von Persiens Schah Rezah Pahlavi. Dieser glamouröse Fürst pflegte einen märchenhaft luxuriösen Lebensstil, zu dem auch ein großer Fuhrpark gehörte. Der Schah besaß mehrere Maserati 3500 GT mit Sechszylinder, die ihm jedoch nicht exklusiv genug waren. Dieses Coupé war der erste Serienwagen mit dem Dreizack für die Straße, und man profitierte bei seinem Verkauf vom Gewinn der Formel 1-Weltmeisterschaft durch Fangio auf Maserati1957. Das aber hatte viel Geld verschlungen, außerdem führte ein Regeländerung im Rennklassement 1959 zum Ende des 4,5 Liter-V8 Motors aus dem damals aktuellen Typ 450S. Dieser Motor wurde von Chefkonstrukteur Giulio Alfieri auf knapp fünf Liter aufgebohrt, wobei die Verdichtung zurückgenommen wurde, um diese Bombe für Zivilisten etwas zu entschärfen. Der V8 wanderte in ein Chassis des 3500 GT und der 5000 GT war geboren und wanderte mit einer Karosse von Touring beim Schah in die Garagen. Was ein exklusives Einzelstück hätte bleiben sollen, sorgte in den entsprechenden Kreisen für Aufsehen. Maserati konnte das Geld gut gebrauchen. Der 5000 GT kostete mit über 70.000 DM so viel wie rund 17 VW Käfer…

So entstanden von 1959 bis 1964 gerade einmal 35 Exemplare, in acht unterschiedlichen Karosserie-Versionen. Unser Auto im Bild ist von Allemano, die häufigste Variante mit 22 Exemplaren.

Mehr Maserati in der Oldtimer-App:

www.oldtimerapp.com/index.php?menu=2&idHersteller=240&Oldtimer=Maserati

 

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Klassikwelt Bodensee startet am Freitag, 19. Mai in Friedrichshafen http://www.oldtimerapp.com/?p=1818 http://www.oldtimerapp.com/?p=1818#respond Thu, 18 May 2017 19:58:46 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1818 Friedrichshafen – Im Vorfeld zur Klassikwelt Bodensee gab es am Donnerstagnachmittag ein Pressegespräch mit folgendem Rundgang durch die Messehallen in der Nachbarschaft zum Flugplatz von Friedrichshafen.

Das Thema Oldtimer liegt im Trend und wird immer beliebter: Das kann man mit Zahlen und Fakten belegen: Fast elf Prozent mehr alte Fahrzeuge sind in Deutschland unterwegs. Wie Dr. Götz Knoop, Vizepräsident DEUVET – Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge Berlin, in einem Pressegespräch einen Tag vor Beginn der Oldtimermesse Klassikwelt Bodensee in Friedrichshafen sagte, steigen die Preise für Oldtimer langsamer als im Vorjahr. „Das Käuferverhalten ist bewusster geworden“, stellte Dr. Knoop fest, wichtig sei vor allem der Zustand des historischen Fahrzeugs. Gebrauchspuren, Originalität und die Patina seien wichtige Faktoren, auf die Interessenten beim Oldtimerkauf großen Wert legen.

Das ist typisch für die Klassikwelt Bodensee: Auch Flugzeuge und Boote haben ihren Raum. Spannend!

Das H-Kennzeichen ist auch das Markenzeichen der Klassikwelt Bodensee. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) waren zum Jahreswechsel 2016/2017 genau 381.027 Pkws mit H-Kennzeichen in Deutschland gemeldet, das entspricht einem Zuwachs um 10,8 Prozent zum Vorjahr. Was im ersten Moment viel klingt, relativiert sich beim Blick auf den deutschen Gesamtbestand von 62,6 Millionen zugelassenen Fahrzeugen. Somit sind nur 0,7 Prozent aller Kfz in Deutschland mit dem historischen Kennzeichen unterwegs.

In der Statistik liegen die deutschen Marken weiter vorne. Knapp 70 Prozent aller Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind, stammen von hiesigen Herstellern. In der Rangliste der Marken liegt Mercedes (92.048 Pkw) und Volkswagen (71.210) wieder vorn. An dritter Stelle folgt Porsche mit 25.120 Fahrzeugen. Der häufigste Pkw mit H-Zulassung ist noch immer der VW Käfer mit 34.643 Fahrzeugen, gefolgt vom Mercedes-Benz der Baureihe W123 mit 18.578 Exemplaren. Porsche, Käfer, Benz – alle Typen werden auf der Klassikwelt Bodensee wieder ins Freigelände rollen. Eine riesige Sonderschau – von den Messebesuchern selbst inszeniert.

Vom Messeteam inszeniert ist die Sonderschau „Bella Italia“ mit vielen klassischen Oldtimern aus dem Autoland Italien. Der schiefe Turm von Pisa bildet die passende Kulisse für die Präsentation im Messe-Foyer Ost.

Zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Ferruccio Lamborghini, dessen Automobilgeschichte mit dem Bau von Traktoren begann, präsentiert das Unternehmen den Prototyp des Lamborghini Centenario Tractori und eine Bronzebüste des berühmten italienischen Sportwagen-Herstellers.

Enthüllt werden Jubiläums-Traktor und Büste durch den direkten Nachkommen und Neffen von Ferruccio Lamborghini: Fabio Lamborghini hebt am Freitag, dem 19. Mai 2017, die Abdeckung über die beiden Artefakte und wird bis Sonntag, 21. Mai 2017 auf dem Stand der Klima-Lounge in Halle B2 anwesend sein und von 15 Uhr bis 16 Uhr täglich eine Autogrammstunde geben.

Über 800 Aussteller, Clubs und Teilnehmer sind auf dem Messegelände in zehn Hallen auf 85 000 qm Fläche präsent. Die Klassikwelt Bodensee findet vom 19. bis 21. Mai 2017 auf dem Messegelände in Friedrichshafen statt. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr. Weitere Infos unter: www.klassikwelt-bodensee.de und auf Facebook www.facebook.com/klassikweltBodensee

Johann König von der Klassikerabteilung des ADAC in München hat den Stoff im Kofferraum! Pünktlich zur Klassikwelt Bodensee ist der taufrische ADAC-Oldtimer-Ratgeber erschienen.

Wir finden Seite 165 natürlich ganz besonders toll;-)))

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Berlin: Ein großer Sammler erzählt von seiner Leidenschaft http://www.oldtimerapp.com/?p=1808 http://www.oldtimerapp.com/?p=1808#respond Fri, 21 Apr 2017 23:24:39 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1808 Titelbild: Die Kuratorin der Ausstellung in der Berliner Landesvertretung für Niedersachsen, Stefanie Sembill, im Gespräch mit dem Einbecker Sammler und Vater des PS.Speichers, Karl-Heinz Rehkopf. 

In der Berliner Landesvertretung Niedersachsens endete zu diesem Wochenende eine besondere Ausstellung. Wir waren eingeladen und möchten Euch gern von einem besonderen Gespräch bei der Finissage berichten.

Das öffentliche Kulturprogramm für 2017 der Dependance zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz beinhaltet unter dem Titel „inspektionen // freiheit“ auch die Aspekte zur persönlichen Freiheit durch individuelle Mobilität. Dazu hatte der PS.Speicher, das große Oldtimer-Museum in Einbeck, einen ausgesuchten Fuhrpark in eine temporäre Ausstellung in Berlin gegeben. Neben kleinen Motorrädern aus den 20er und 30er Jahren, die erstmals auch in Arbeiterkreisen motorisierte Mobilität ermöglichten, spannte sich der Bogen über Kleinstwagen der Nachkriegszeit hin zu den leistungsstarken Spaß-Fahrzeugen der 70er-Jahre, die dereinst einen ganz neuen Freiheitsbegriff definierten.

Die Münch Mammut TT mit 1200ccm-NSU-Motor war der exklusive Traum der Individualisten in den 60ern.

Zum Abschluss nun sprach die Kuratorin der Ausstellung, Stefanie Sembill, mit Karl-Heinz Rehkopf, dem Gründungsstifter des PS-Speichers, und das war wirklich eine interessante Geschichte!

Im Mittelpunkt stand plötzlich ein himmelblauer Trabant aus der Ausstellung. Nicht der Harley-Chopper aus „Easy Rider“, nicht die legendäre Münch Mammut, nein, die „Pappe“ aus Zschopau.

Ein paar Meter weiter links, von den Ministergärten in Richtung Reichstag, das Brandenburger Tor.

1200 klassische Fahrzeuge, vor allem Motorräder, hatte der Unternehmer und Großkaufmann Rehkopf heimlich zusammengetragen. Dann kam der Sinneswandel, als er über sein Testament nachdachte. Nun, um die 80, hat er seine Leidenschaft aus über 50 Jahren in eine Stiftung geschenkt und so ein atemberaubendes Museum für Einbeck in einem alten Kornspeicher aus der Kaiserzeit ermöglicht. Das ist inzwischen hinlänglich bekannt. Aber im Gespräch mit Stefanie Sembill gab er sehr persönliche Dinge preis. Der Trabant in der Landesvertretung Niedersachsen ließ ihn dabei auf einen technischen Verwandten jener Zeiten kommen, den westdeutschen Lloyd LP 400 aus Bremen. Und Rehkopf erzählte, wie er in den 60ern mehrere dieser Kleinwagen zum Spottpreis einkaufte, weil diese niemand mehr haben wollte. Damit schickte er die ersten Mitarbeiter in den Außendienst, ein Grundstock seines späteren Erfolges. Und er erzählte auch, wie sein Vater sich einst in der jungen DDR beworben hatte, um dort mit seiner Familie sein Glück zu suchen. Eine Panne bei der Anreise verhinderte den Zuschlag, und so war es eigentlich nur Zufall, das der ganz junge Karl-Heinz Rehkopf im Westen an der Zonengrenze sein Glück machen konnte. Ganz klar wurde, dass der passionierte Sammler bis heute ein großes Herz für die „Brot und Butter“ – Fahrzeuge des kleinen Mannes hat – am liebsten im unrestaurierten Originalzustand.

Die Ausstellung zur persönlichen Freiheit der Mobilität wird aufgrund der überzeugenden Idee in der PS.Halle in Einbeck noch weiter geführt. Ein Grund mehr, dieses einmalige Museum einmal zu besuchen!

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Der Bugatti-Rennwagen und die Sherman-Panzer: Unsere Ostergeschichte http://www.oldtimerapp.com/?p=1802 http://www.oldtimerapp.com/?p=1802#respond Sat, 15 Apr 2017 00:52:31 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1802 Es ist der Dienstag nach Palmsonntag 1945. An diesem 27. März vor dem letzten Kriegs-Ostern rollen in langen Kolonnen die amerikanischen Sherman-Panzer an die Lahn. Die gefürchtete 6. SS-Gebirgsjäger-Division „Nord“ bereitet bei Diez in der Nähe von Limburg und Wiesbaden den Widerstand vor. Aber die Truppe ist längst geschwächt, aufgerieben in schweren Kämpfen auf den Höhen des Hunsrücks und im Tal der Mosel. Unaufhaltsam zieht sich „The Ruhr Pocket“, der Ruhrkessel von Emmerich im Norden und Remagen im Süden zu. Eine Woche zuvor hatte Hitler seinen ruchlosen „Nero-Befehl“ herausgegeben. Kein Meter Bodens durfte lebendig geräumt werden, alle Infrastruktur sollte vor dem Einmarsch der Alliierten zerstört werden. Der Wahnsinn war komplett. Und so sollte auch die altehrwürdige Residenzstadt Diez an der Lahn nach Plan der SS zum verwüsteten Schlachtfeld werden.

Das war die Stunde des Kirchenmalers Willi Seibel. Er wusste um die Schätze seiner Heimatstadt und ging den Amerikanern als Parlamentär entgegen. Der erfolgreiche Rennfahrer der frühen 30er Jahre war sprachgewandt genug, um die GI´s zu einem riskanten Deal zu bewegen: Er würde mit weißer Fahne wie eine Schießbudenfigur vorangehen, um so den Beschuss auf die vorrückenden Amerikaner zu verhindern. Der wagemutige Plan gelang, bis nach Limburg wanderte Willi Seibel ohne jede Deckung den Panzern voran. Seine Heimatstadt Diez blieb auf diese Weise verschont. Und wohl auch das Fleckchen Erde, wo er in mehreren Kisten die Einzelteile seines Bugatti Type 37A Kompressor-Rennwagens von 1928 vergraben hatte…

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Willi Seibels Bugatti Type 37A befindet sich seit fast 90 Jahren in Familienbesitz. Zumindest bis zur Techno Classica in Essen…

Aber zurück in bessere Zeiten. Die eine Quelle sagt, Seibel wäre Malermeister gewesen. Die andere berichtet von Studien an der Kunstakademie in Düsseldorf. Sicher jedenfalls scheint, dass Willi Seibel an der Restaurierung des Doms von Limburg und des Schlosses der Grafen von Nassau in Diez beteiligt war. Unstrittig hingegen ist seine Vita als Rennfahrer. 1925 fuhr er die ersten Bergrennen auf einem Bugatti Type 22 „Brescia“. 1926 kaufte er einen Bugatti Type 37, den 1500cccm-Vierzylinder, der international sehr erfolgreich unterwegs war. 1928 verunglückte Seibel mit diesem Auto auf dem neuen Nürburgring bei der Antoniusbuche auf der Döttinger Höhe. Der Wagen fing Feuer, und auch Willi Seibel zog sich wohl einige Verbrennungen zu. Nach der Genesung fuhr er zu Bugatti nach Molsheim im Elsass. Dort bekam er wohl einen neuen Type 37A, in den jedoch, vermutlich aus Sorge vor Komplikationen mit dem Zoll, die alte Fahrgestellnummer eingeschlagen wurde.

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Oben stehen auf dem Wimpel Louis Chiron und Rudolf Caracciola…

Sein größter Erfolg war das Eifelrennen auf der Südschleife des Nürburgrings im Sommer 1931. Mit seinem 1500er Leichtbau-Roadster erreichte er einen sensationellen vierten Platz in der Gesamtwertung! Vor ihm lediglich drei Boliden wie von einem anderen Stern: Erster wurde Rudolf Caracciola auf einem Kompressor-Mercedes SSKL mit über sieben Litern Hubraum, Zweiter war Heinrich-Joachim von Morgen auf Bugatti Achtzylinder Type 35B und Dritter Manfred von Brauchitsch, ebenfalls auf Mercedes SSKL. H.-J. von Morgen sollte übrigens bereits 1932 auf der Nürburgring-Nordschleife in der Hatzenbach mit seinem Bugatti tödlich verunglücken.

Willi Seibel, geboren 1896, lebte hochgeachtet bis 1977 in Diez. Er war Mitbegründer des Bugatti-Clubs in Deutschland und hielt seinen Type 37A immer fahrbereit. Nun tauchte das Auto mit seiner ganzen Geschichte nach fast 90 Jahren in Familienbesitz auf der Techno Classica in Essen auf. Dieser Solitär steht erstmals zum Verkauf. Mit allen Dokumenten, Pokalen und Fotoalben dürfte er einer der spektakulären Deals der Saison 2017 werden. Nur: muss man so etwas wirklich verkaufen? Was für eine einmalige Geschichte.

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Die originalen Pokale zum Auto aus den 30ern.

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Auf der Techno Classica in Essen vor der Vitirine mit dem originalen Zubehör

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Geschichten um die Geschichte der Lackierung http://www.oldtimerapp.com/?p=1775 http://www.oldtimerapp.com/?p=1775#comments Thu, 23 Mar 2017 00:39:28 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1775 Glasurit in Münster-Hiltrup, die Tochter der BASF ist die größte Lackfabrik des Kontinents. Die Fachleute mit Tradition bis zurück ins 19. Jahrhundert sind zum Thema Oldtimer so richtig in Schwung gekommen. Mit ihrem „CCC“ Programm, „Classic Car Colors“ entschlüsseln die Chemiker seit einigen Jahren an die 200.000 archivierten Farbtöne, um sie den Originallacken längst vergangener Zeiten zuzuordnen.

 

 

Glasurit 07

Die Fachleute erkennen die Bestandteile des alten Lacks in der Probe. Glasurit hilft auch bei kriminaltechnischen Ermittlungen. Da geht was! Foto: Glasurit

Das ambitionierte Projekt wurde vorangetrieben durch Jürgen Book und seine Mitstreiter, die selbst ganz tief in der Oldtimer-Szene verwurzelt sind. Im letzten Jahr wurden diese Bemühungen dann regelrecht geadelt, denn die „FIVA“, die Federation Internationale Vehicules Anciens, der Internationale Dachverband aller Oldtimer-Clubs mit Sitz in Paris, ernannte die Profis von Glasurit zu den maßgeblichen Experten in Bezug auf Originalität und originalgetreue Reproduktion von Fahrzeug-Lackierungen aller Epochen.

https://www.adac.de/infotestrat/oldtimer-youngtimer/fiva-weltverband/

Ja, und was sie da nun losgetreten haben, das wurde im Glasurit-Werk als Vorschau auf die Techno Classica Essen 2017 einem sehr interessierten Publikum vorgestellt.

Um es vorweg zu nehmen – was für eine irre Geschichte, wenn ein solcher Konzern wie die BASF die Fährte aufnimmt und mit ihrer Tochter Glasurit mal so richtig Gas gibt!

Jürgen Book hatte ein sehr ungewöhnliches Fahrzeug mitgebracht. Einen französischen Delahaye Typ 87 von 1924 in sehr alter Lackierung. Das Luxus-Cabriolet der legendären Marke aus Paris (1898-1956) entstammt dem Depot des Französischen National-Automobilmuseums im elsässischen Mulhouse, der weltberühmten Schlumpf-Kollektion. Die Beziehungen sind inzwischen so eng, dass solche Ausleihen möglich sind. Mehr noch, das spektakuläre Fahrzeug wird man auch am Glasurit-Stand auf der Techno Classica in Halle 2 live bewundern können.

Es gab also einen interessanten Vortrag zur Geschichte der Automobil-Lackierung. Dazu referierten neben Direktor Jürgen Book auch der Chemiker Dr. Christoph Hawat und Alexander Röllig, der das Messeprogramm für die Techno Classica in Essen kurz vorstellte.

„Glasurit hat verschiedene Analysen der Oberfläche, des Lackaufbaus und der verwendeten Lackmaterialien durchgeführt, um das Wissen über historische Lacktechnologien an im Erstlack befindlichen Fahrzeugen zu erweitern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Zitat Jürgen Book.

(Und dazu nur mal so: Infrarotspektroskopie IR, ATR-IR; optionale Pyrolyse-Gaschromatographie; Massenspektrometrie; Röntgenfluoreszenzspektroskopie RFA; Rasterelektronenmikroskopie mit Mikrobereichsanalyse REM-EDX…)

Ein Lackfragment wurde in ein Spezialharz eingebettet und als Querschliff untersucht. Der Delahaye weist sechs Schichten auf mit einer Stärke von insgesamt 350 Mikrometern. Zum Vergleich: Eine heutige Lackierung ist nur ein Drittel so stark.

Delahaye 01

Schleichender Tod eines Naturkautschuk-Reifens der Vorkriegszeit. Der Delahaye wird auf der Techno Classica in Essen bei Glasurit in Halle 2 zu sehen sein.

Es folgte die chemische Analyse aller Schichten. Auf einen Füller folgen mehrere Schichten Decklack, die wiederholt aufgetragen wurden. Übrigens wurden die Autos bis in eben diese Zeit noch mit dem Pinsel gestrichen! Im Lack wurden Bleipigmente gefunden, die eine frühe Form des Korrosionsschutzes sein dürften. In allen Schichten konnten zudem Stearin- und Palmitinsäure nachgewiesen werden. Das ist ein Hinweis auf die Verwendung von Leinölfirnis als Bindemittelbasis. Eine solche Lackierung benötigte vier bis sechs Wochen zur Durchtrocknung! Jürgen Book erzählte, dass 23 Arbeitsschritte notwendig waren für die Lackierung eines Autos. Damit war eine Massenproduktion nicht möglich. Als Henry Ford das Fließband einführte, wurden stündlich etwa 50 Autos produziert.

Es musste also eine Abkehr vom Naturstoff Baumharz geben, um eine schnellere Trocknung zu erreichen.

Ford erzielte erste Verbesserungen mit Einführung des „Japan Black“, einem verkochten Gemisch aus etwa 30 % Bitumen, zehn Prozent Leinöl mit Trocknungsbeschleunigern (Sikkativen), 55 % Verdünner wie Naphta oder Terpentin und bis zu drei Prozent Ruß. Dieser Lack gilt als erstes veredeltes Naturharz der Industriegeschichte.

Daher rührt übrigens auch Henry Fords berühmtes Zitat: „Bei mir kann man jede beliebige Farbe bestellen, sofern sie nur schwarz ist.“ Die hohe Deckkraft von Ruß ermöglichte dünneren Auftrag, womit die Trocknungszeit auf etwa zwei bis drei Tage abgesenkt werden konnte. Außerdem wurde der Lack etwas beständiger gegen Umwelteinflüsse.

All das war nicht befriedigend. Auf der verzweifelten Suche nach einem schnelltrocknendem Material wurde schließlich die schwächste Technologie der Lackgeschichte entwickelt:

Der Nitrolack

Oder besser: der Nitrocelluloselack (NC).

Jürgen Book: „Oft hört man in der Klassikerszene den nostalgischen Ruf nach dem ,guten alten Nitro-Lack´, nach dem unverwechselbaren Glanz und so weiter, aber nie hat es minderwertigeren Lack gegeben als damals.“

Delahaye 03

Nitro-Lack, hier in einer Labor-Probe. Die molekular nicht vernetzte Struktur altert rasend schnell. Links die verwitterte Oberfläche nach kürzester Zeit. Die Anfertigung moderner Lacke mit einer entsprechenden optischen Wirkung, jedoch ohne Verfall und Umweltproblematik, ist überhaupt kein Problem mehr. Lasst uns Opa Nitro ohne Reue zu Grabe tragen…

Synthetisierte Kunstharze aus Baumwolle wurden mit bis zu 70% Lösungsmittel angerührt und ab 1924 mit den ersten Sprühpistolen aufgetragen. Die Trocknung sank auf begehrte 15 Stunden. Aber der Lack konnte nicht gestrichen werden, weil eine neue Schicht die ältere darunter angelöst hätte. Außerdem war die Wetter- und Lichtbeständigkeit beschränkt. Ständiges Polieren war notwendig, und oft genug war die Lackschicht schon bald durchgerieben. Bis etwa 1960 blieben Nitrolacke im Programm. Der hohe Lösemittelanteil machte die Verarbeitung problematisch, verheerende Brände und vergiftete Mitarbeiter gingen einher.

Alkyd- /Kunstharzlacke

Etwa 1935 gab es die erste echte Verbesserung. Einige Jahre zuvor war der Alkyd-Lack, ein Kunstharzlack, erfunden worden, der nun im Automobilbau Verwendung fand. Mit einer Einbrennlackierung bei 140 bis 160 Grad trocknete die Oberfläche chemisch ab. Die harte und glänzende Oberfläche war nach vier Stunden durchgetrocknet. Allerdings war auch dieser Lack nicht sehr witterungsbeständig. Das Problem ist klar: eine Einbrennlackierung lässt sich am montierten Auto nicht erneuern. Der Reparaturlack trocknete oxidativ durch Luftsauerstoff, was gelegentlich für Probleme sorgte. Alkyd-/Kunstharzlacke wurden 1995 aus Umweltschutzgründen verboten.

Thermoplastische Acryllacke, TPA, manche Lackierer schimpfen von „That Pissy Awful“

In den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schließlich kamen in den USA die Thermoplastischen Acrylharze (TPA) auf den Markt. Der unerhörte Speckschwartenglanz im Gegensatz zum schnell verwitterten Nitrolack wurde ein Renner. Auch ähnelte sich die Verarbeitung, was den Lackierern die Sorge vor besonderen Neuigkeiten nahm. Allerdings wird dieser Lack bei Wärme weich, bei Hitze noch mehr und schließlich reißt er gar ein und kann ganze Oberflächen ruinieren. Heute wie damals ist er kaum reparabel; einst, weil kaum auszubessern, heute zudem, weil Inhaltsstoffe mittlerweile im Allgemeinen verboten sind.

Der neuralgisch auf Lösemittel reagierende TPA-Lack kann zwar mit einem speziellen Füller isoliert werden, damit an seiner Oberfläche nichts mehr reagiert, aber seine thermoplastische Eigenschaft bleibt. Jürgen Book beschreibt es so: „Das ist, als würde man Beton auf Treibsand auftragen.“ Es ist also ein großes Problem, vor allem bei US-Importen und auch mal neu in den Staaten nachlackierten Re-Importen: eine verbrauchte Thermoplast-Lackierung muss komplett runter, bis aufs blanke Blech. Eine sehr kostenintensive Erfahrung. Übrigens auch bei vielen Jaguar, Rolls-Royce und Bentley, außerdem gern auch bei manchem Opel aus der Fertigung in Antwerpen. Das sollte man wissen. Holzauge, sei wachsam.

Polyurethane (PUR)

Die Fahrzeuge wurden immer schneller, die Belastungen, durch Steinschlag zum Beispiel, immer höher. In den 1970er-Jahren wurden daher die Polyurethan-Lacke entwickelt, die eine chemische Vernetzung vom Stammlack mit einem zugeführten Härter eingehen. Die dadurch sehr verkürzte Verarbeitungszeit war eine große Herausforderung für die Lackierer. Das Ergebnis allerdings von einer Oberflächenqualität und Dauerhaftigkeit, wie es sie nie zuvor gegeben hat.

Wasserbasis-Lacke

1986 wurde den PUR-Lacken das Lösemittel aus Gründen des Umweltschutzes endgültig entzogen und zum großen Teil durch Wasser ersetzt. Viele wüste Geschichten grassieren aus dieser Übergangszeit. Allerdings hat, so Jürgen Book, der Wasseranteil keinen Einfluss auf die spätere Qualität der Lackierung. Dampfte früher das Lösungsmittel ab, so erledigt das heute der Wasserzusatz, der den Lack während der Verarbeitung leicht und fein vernebeln lässt. Ist die Lackierung durchgetrocknet, gleicht sie den alten Materialien von vor 1986, weil es halt nur um den Zeitraum der Verarbeitung geht.

Klar, auch wir wissen, dass das immer wieder gern am Stammtisch diskutiert wird. Der Wechsel zum Wasserlack fiel damals genau in jene Zeit, als der Mercedes 124 mit dem Rosten begann. Das wird sich niemals ausdiskutieren lassen, weil fast schon Verschwörungstheorien entstanden sind.

Aber wie auch immer: Machen Sie sich selbst ein Bild. Glasurit wird genau diese Forschungen auf der Techno Classica in Essen vorstellen, vom 5. bis 9. April 2017 in Halle 2, direkt gegenüber des Messestands der GTÜ. Auch der spektakuläre Delahaye von 1924 im Originallack wird dort zu sehen sein.

www.glasurit.com/de/glasurit-classic-car-colors

]]> http://www.oldtimerapp.com/?feed=rss2&p=1775 1 Echte Fakten ums rostige Hobby http://www.oldtimerapp.com/?p=1768 http://www.oldtimerapp.com/?p=1768#respond Thu, 16 Mar 2017 10:27:13 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1768 Carsten Müller MdB berichtet im PS.Speicher Einbeck vom Parlamentskreis Automobiles Kulturgut

Der PS.Speicher in Einbeck zwischen Hildesheim und Göttingen ist ein erstaunliches Oldtimer-Museum. In einem mehrstöckigen Backstein-Kornspeicher aus der Kaiserzeit und immer weiteren Außengebäuden wurde bisher eine Sammlung an historischer Mobilität zusammengetragen, die in Ausmaß und Qualität kaum mehr Vergleichbares findet. Der Förderverein des Museums, die „FörderFreunde PS.SPEICHER e.V. veranstalten dabei monatlich eine Mitgliederversammlung, bei der interessante Gäste zu Wort kommen. Diesmal, am Mittwoch, 15. März 2017, betrat Carsten Müller MdB das Podium. Der Braunschweiger leitet in Berlin seit 2014 den 2009 gegründeten Parlamentskreis Automobiles Kulturgut im Deutschen Bundestag.

Automobiles kultur

Dort hat man sich auf die Fahne geschrieben, den besonderen Schutz für den Erhalt historischer Fahrzeuge zu fördern und zu unterstützen. Die individuelle Mobilität ist ein starkes Sinnbild für die persönliche Freiheit, und wohl niemand wird negieren, dass das Kraftfahrzeug eine der folgenreichsten technischen Erfindungen und Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts gewesen ist. Natürlich hat die heutige Umweltdiskussion nach Jahrzehnten der hemmungslosen Ausbeutung von Ressourcen und der Belastung aller Lebensräume ihre unbedingte Berechtigung – aber doch muss es eine Nische geben, ein historisches Erbe der Mobilität in vernünftigen Rahmenbedingungen zu schützen und zu bewahren.

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Der PS.Speicher mit seiner phantastischen Fassade

Der Parlamentskreis Automobiles Kulturgut mit seinen rund 80 Mitgliedern tritt zweimal jährlich im Berliner Regierungsviertel zusammen. Zuletzt ganz aktuell, am vergangenen Freitag, 10. März. Da haben wir uns doch gern am folgenden Mittwoch auf den Weg gemacht, dem Vortrag des Vorsitzenden Carsten Müller im PS.Speicher in Einbeck zu folgen.

Der 46-jährige Jurist und CDU-Abgeordnete hat übrigens ein besonderes Verhältnis zu Einbeck. Karl-Heinz Rehkopf, der Stiftungsgründer und Finanzier des Museums, hatte durch Carsten Müller Unterstützung erfahren, als die bedeutende Nutzfahrzeug-Sammlung des unvergessenen Emil Bölling aus Sittensen im Norden nicht auseinandergerissen wurde, sondern geschlossen die Reise nach Einbeck antrat. Der LKW-Korso von 80 Fahrzeugen war eines der spektakulärsten Oldtimer-Erlebnisse der Saison 2015, als selbst große Büssing-Langschnauzer der ganz frühen 50er Jahre unterwegs waren.

PS.Speicher Karussell

Das Motorroller-Karussell im PS.Speicher ist ein Hingucker

Gut gelaunt stieß Müller zu Beginn seines Vortrags erst einmal die politischen Farben vom Podium. Nicht nur die großen Staatsfragen dürften Thema sein, Politik solle auch Dinge behandeln, die Freude machen. Er zitierte das Ergebnis einer Umfrage der VF-Verlagsgesellschaft, die zum Beispiel die großen Fachmagazine „Oldtimer-Markt“ und „Oldtimer-Praxis“ herausgibt. Von 2200 Befragten sagte mehr als jeder Zweite, dass er sich im alltäglichen Verkehrsgewühl ehrlich über den Anblick eines gepflegten Oldtimers freuen würde. Lediglich 3 Prozent der Studie lehnten das Thema kategorisch ab. Hier meinte Carsten Müller, dass man auch das akzeptieren müsse und warb für eine allgemeine Rücksichtnahme. „Legen Sie beim Parken doch einfach auch mal die Ölmatte unter den Motor, um wirklich nichts auf dem Kopfsteinpflaster zu hinterlassen. Und geben Sie nicht soviel Gas in den Städten, weil das eben nicht alle mögen.“

Die Sammlerszene ist übrigens groß in Deutschland, und Carsten Müller brachte spannende Zahlen mit. In Deutschland sind 1.800.000 Fahrzeuge tatsächlich älter als 30 Jahre. Allerdings sind Zweidrittel davon im Schlepper-Sektor zu finden, von denen noch viele im alltäglichen Gebrauch sind. 250.000 Autos tragen das H-Kennzeichen, 50.000 Motorräder tun das ebenso. In der letzten Zeit kam der Begriff der „H-Kennzeichen-Schwemme“ auf, weil der jährliche Bestand einen Zuwachs von 10 bis 12 Prozent haben sollte. Erstaunlicherweise läge das jedoch nicht an den gerade in die richtigen Jahre gekommenen Golf II, Baby-Benz 190 und Mercedes-E-Klassen W 124, sondern die Ursache sei im Import zu finden, da die entsprechenden Zulassungsjahre zwischen 1965 und 1975 lägen! Fahrzeuge aus den USA, aus Großbritannien, Frankreich und Italien, in dieser Reihenfolge, sorgten vor allem für die Zuwächse.

Dabei sind die Einflüsse auf die Umwelt eher bescheiden, denn die durchschnittliche Laufleistung eines Sammlerfahrzeugs in Deutschland liegt bei gerade einmal 1300 Kilometern im Jahr. Damit relativiert sich die „Stinkerdiskussion“ doch eigentlich von selbst.

Was man auch sehen sollte, ist der Wirtschaftsfaktor. 16 Milliarden Euro werden alljährlich in der Szene der Liebhaberfahrzeuge in Deutschland umgesetzt, allein 12 Milliarden davon in der Youngtimer-Szene! Das sind außerdem rund 24.000 Arbeitsplätze in diesem Bereich. Diese erstaunlichen Zahlen begründen sich auch in einem besonderen Verhältnis: Von 32 Millionen Haushalten in Deutschland werden 4,4 Millionen als Oldtimer-affin angesehen. Das ist mehr, als nur die Lobby einer Minderheit.

Carsten Müller outete sich übrigens einmal mehr als Petrol-Head. Er erinnerte sich an Kindheitstage in Braunschweig, als er noch auf Augenhöhe zu den beiden Schiffsschrauben an einem Amphicar-Schwimmwagen in der Nachbarschaft war. Das übrigens eine Steilvorlage zur immerwährenden Kennzeichen-Diskussion. All die unterschiedlichen Formate aus dem Lauf der Jahrzehnte, die heute in keine DIN-Norm mehr passen wollen: ein Riesenthema. Da wird eifrig um Sonderrechte für entsprechende Oldtimer diskutiert, und gerade das Amphicar hat echte Schwierigkeiten mit der Bürokratie. Es benötigt zwei Kennzeichen; eines für die Straße, eines für den Wasserweg. Das allerdings ist illegal. Das amtlich zugelassene Fahrzeug ist also ein Zankapfel, wenn es ein eifriger Gesetzeshüter will. Auch da lässt sich noch trefflich streiten.

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Etage für Etage erlebt man die gesamte Bandbreite der historischen Mobilität.

Zum Schluss erfolgte ein Plädoyer für die wahre Liebhaberei. Die wenigen Spekulanten, die den hochkarätigen Klassiker als emotionsloses Anlageobjekt entdeckt hätten, müsse man halt ertragen. Aber es gäbe ja auch noch die kleinen Freuden, wie einen superseltenen Simca 1301 im guten Originalzustand für 5000 Euro. Auch dieses Auto kann heiß geliebt werden und steht nun wahrlich nicht mehr an jeder Ecke. Dazu übrigens auch noch die Frage zu den Zustandsnoten von 1 bis 5. Carsten Müller erinnerte an die 90er Jahre, als Fahrzeuge mit modernen Materialien in einen Zustand versetzt wurden, der besser als der Neuzustand war. Hier hat sich viel getan. Ein ehrlich ergrauter Recke im Erstlack mit den Gebrauchsspuren eines langen Lebens unter liebevoller Pflege erzielt heute die mit Abstand höchsten Erlöse. Das müsste also mal diskutiert werden…

Außerdem gab es noch eine echte Erfolgsnachricht. Die offizielle Entscheidung mit Rechtskraft ist auf dem Weg, der Bundesrat wurde bereits passiert: In Kürze fällt das Sonntagsfahrverbot für historische Lastkraftwagen mit H-Kennzeichen!

Der vollbesetzte Saal in der Genusswerkstatt der Einbecker PS-Speichers sparte zum Abschluss des Vortrags nicht mit herzlichem Applaus.

Text & Bild: Achim Gandras / Oldtimer-App.com

Ein Clip zu PS.Speicher und PS.Speicher-Rallye: http://www.youtube.com/watch?v=_NdQtvJgj0c

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Walter Röhrl feiert den 70. am 7. März 2017 http://www.oldtimerapp.com/?p=1758 http://www.oldtimerapp.com/?p=1758#respond Tue, 07 Mar 2017 23:59:26 +0000 http://www.oldtimerapp.com/?p=1758 Titelbild: Walter Röhrl am Steuer des Porsche 911, mit dem er 1981 fast die Rallye San Remo gewonnen hätte. Als einziger Hecktriebler im sonst geschlossenen Feld der Allrader! Eine gebrochene Antriebswelle führte jedoch zum Ausscheiden. „Meine bitterste Niederlage“, wie er uns einmal erzählte. Foto: Achim Gandras / oldtimer-app.com

Die Oldtimer-App gratuliert Deutschlands berühmtesten Querlenker

Vor 70 Jahren wurde Walter Röhrl in Regensburg geboren. Der zweifache Rallye-Weltmeister und vierfache Gewinner der Rallye Monte-Carlo auf vier verschiedenen Fabrikaten war von 1973 bis 1987 als Rallyeprofi aktiv und wurde zum Weltstar dieser Szene. Als einer der ganz wenigen Fahrer war er auch auf der Rundstrecke im Straßenrennwagen erfolgreich. Seit 1993 ist er nicht nur Repräsentant, sondern auch Versuchsfahrer bei Porsche. Auch die aktuellen Modelle profitieren von Walter Röhrls enormer Erfahrung und analytischer Strategie zur Verbesserung des Handlings und der Sicherheit.

Herzlichen Glückwunsch zum runden Geburtstag, Walter Röhrl, bleiben Sie gesund!

 

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Walter Röhrl mit uns im Gespräch bei der 21. AvD-Histo-Monte im Februar 2017 auf dem Col de Turini. Foto: Olaf Kreiß/Agentur PlusRallye   Mehr: https://www.youtube.com/channel/UCFPYBivCY_M78pNbdrkSL6w

Früh schon hatte er eine besondere Beziehung zum Automobil: Sein großer Bruder war begeisterter Motorsportler, und auch der kleine Walter fuhr bereits als Steppke auf dem Platz des väterlichen Steinmetzbetriebes heimlich mit dem Auto herum. Er machte eine kaufmännische Ausbildung beim Bischöflichen Ordinariat in Regensburg und wurde Fahrer eines Juristen, der die sieben Diözesen Bayerns bundesweit in Immobilienangelegenheiten vertrat. So kamen schnell sehr viele Kilometer an Erfahrung zusammen. Allerdings war der Dienstwagen ein untermotorisierter Diesel-Mercedes, und das ist ein erstes Geheimnis seines späteren Erfolgs: Um die schwere Fuhre im Schwung zu halten, war er bald auf der Suche nach der Ideallinie, um das Auto möglichst dynamisch zu bewegen. Das ist ein Grundzug, den er selbst so erklärt: „Du musst die Kurve idealerweise so ansteuern, dass du sie am Lenkrad nicht mehr nach zu regulieren brauchst.“

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Walter Röhrl bläst mit Copilot Dirk Johae bei der Histo-Monte hinauf auf den Schauinsland bei Freiburg. Foto: Achim Gandras / Oldtimer-App.com für die Agentur PlusRallye

In den frühen 70ern tauchte der „Lange“ mit einem Ford Capri bei den ersten Rallyes auf und musste erleben, dass seine Ergebnisse nacheinander gestrichen wurden, weil die Zeitnehmer die Spitzenwerte des Neulings als Messfehler einschätzten. Bis heute stoppt Röhrl seine Zeiten selbst, so tief hat sich diese Erfahrung bei ihm eingebrannt!

Bald als Werksfahrer bei Opel, errang er die ersten Erfolge mit dem leider bereits verstorbenen Copiloten Jochen Berger, mit dem er den ersten Weltmeisterschaftslauf gewinnen konnte. Alle weiteren Erfolge erzielte er mit Christian Geistdörfer.

Dabei hat er den Rummel immer vermieden. Er hätte öfter als zweimal Weltmeister werden können, konnte aber den Hype um seine Person nicht gut ertragen. Wichtig sind ihm die vier Siege bei der Rallye Monte-Carlo, denn da zeigt sich sowieso die wahre Meisterschaft. Wer die Monte gewinnt, kann auch alles andere gewinnen. Walter Röhrl gewann sie auf Fiat, Opel, Lancia und Audi. Damit dürfte die Sache wohl klar sein…

Er liebte außerdem nie den Fight um die Zehntel, er wollte richtig gewinnen, am liebsten mit zehn Minuten Vorsprung. Oft genug ist ihm das auch gelungen. Übrigens nicht nur auf der Schotterpiste. Da gibt es die Anekdote, dass er einst mit einem Ferrari auf der Nordschleife des Nürburgrings eine Runde drehte, um auf ein identischen Modell zu treffen. Na klar, so sind Jungs halt, ging es sofort um die Wurst und Röhrl nutzte einen winzigen Verbremser des anderen, um vorbei zu ziehen. Auf der langsamen Abkühlfahrt zur Döttinger Höhe kam der Zweite heran und wollte wissen, wer ihn da versägt hatte. Es war der siebenfache Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher.

Die Welt verbindet den Namen Walter Röhrl bis heute natürlich auch mit der brachialen „Gruppe B“, die allerdings 1986 abgeschafft wurde, weil zu viele Unfälle passiert waren. Der von ihm verwendete Audi quattro S1, das „Flügelmonster“ mit über 500 PS, wurde 1987 noch einmal auf über 600 PS gebracht und machte ihn auch zum Champion des Ritts in die Wolken, dem Bergrennen auf der Schotterpiste hinauf auf den Pikes Peak im US-Bundesstaat Colorado.

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Der Audi quattro S1, das „Flügelmonster“ der Gruppe B, Walter Röhrls wohl heißestes Arbeitsgerät. Hier in der Klassikstadt Frankfurt zur 21. AvD-Histo-Monte.

Und die zahllosen Fans? „Der Walter sagt immer, was er denkt“, so das große Credo. Dafür lieben sie ihn. Und dafür, dass er immer Zeit für sie hat. 200 Autogramme am Stück. Kein Problem. Es geht mal eben an den Nachbartisch, die Herrschaften müssen auf ihn verzichten. Dort kreist dann stoisch der Edding und auch hier zeigt sich die Präzision, die ihn so sehr ausmacht: Wie gedruckt in allen Größen, auf Karten, Modellen, Tankdeckeln und Mützen, in allen gewünschten Formaten.

Die Präzision. Das Direkte. Was für eine Verbindung.

Herzlichen Glückwunsch, Walter Röhrl!

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