Glasurit und die FIVA – ein Hoch auf den Originallack

Seit einiger Zeit kommt es bei Glasurit in Münster-Hiltrup zu informellen Treffen rund um die Oldtimerei. Dabei werden stets interessante Themen diskutiert, die uns Petrol-Heads alle angehen.

Diesmal hatte Jürgen Book, Chef der CCC-Sparte, „Classic-Car-Colours“, wieder ganz besondere Referenten in der Diskussion. Über 120 geladene Gäste waren dazu gekommen – keine Frage, die Veranstaltungen in der größten Farbenfabrik des Kontinents haben sich in der Szene herumgesprochen.

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Der Renault 16 von 1966 im originalen Einschicht-Metallic-Lack wurde bei Glasurit in Hiltrup mit neuester Technik retuschiert. Selbst die seidenmatte Oberfläche bleibt so erhalten. Das Auto gehört Classic Data in Bochum.

Glasurit, heute eine Tochter der BASF, hat eine große Tradition zur Lackiertechnik im Automobilbau. Irgendwann wurde den Verantwortlichen bewusst, dass man in Hiltrup über ein Farbtonarchiv von über 230.000 unterschiedlichen Mustern verfügt. Einzig die Zuordnung zu historischen Vorbildern und Farbnummern bleibt dabei zumeist eine Detektivarbeit.

Gemeinsam mit der FIVA, dem internationalen Dachverband für alle Clubs zu historischen Fahrzeugen, zieht man nun in Hiltrup seit 2016 gemeinsam an einem Strang.

Daher konnte Jürgen Book auch illustre Gäste begrüßen: Neben Prof. Dr. Mario Theissen, dem FIVA-Vizepräsidenten, sprach auch Frank Reichert, Chef der ADAC-Klassikabteilung.

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Der GMC Suburban von 1968 präsentierte sich mit echter Patina aus fast 50 Jahren.

Die technische Entwicklung in der Lackfabrikation stand im Vordergrund des unterhaltsamen Abends auf dem akribisch gesicherten Werksgelände.

Was ist Lack überhaupt? Eine Frage, die nur wenige wirklich beantworten können. Jürgen Book stellte heraus, dass viele alte Technologien nicht nur technisch überholt, sondern auch nicht mehr zu reproduzieren sind. Ein prominentes Beispiel ist dafür der oft verbrämte „Nitro-Lack“ den viele Originalitäts – Fetischisten wollen, aber gar nicht so richtig wissen, warum. Technisch ist das sehr empfindliche Verfahren längst überholt, nach Umweltaspekten inzwischen undenkbar, außerdem hat Glasurit Substanzen kreiert, die optisch keinen Unterschied bieten, technisch aber haushoch überlegen sind.

Mario Theissen, einst Motorsportchef bei BMW, diskutierte die aktuelle Marktsituation. Viel Geld sei im Umlauf, Manipulationen und Spekulationen gingen einher. Besonders läge ein Augenmerk auf China, wo zurzeit noch die Gesetzgebung die Einfuhr von Gebrauchtwagen untersage – aber Unzählige bereits auf die Öffnung des Marktes hofften.

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Erstaunlich: Die quadratische Folie liegt auf der deutlich verlebten Haube eines Jaguar Mk IX und präsentiert sich in Farbe und Verschleiß der Oberfläche exakt wie das 50 Jahre alte Original. Da werden noch tolle Entwicklungen in Hiltrup bei Glasurit zu erwarten sein!

Längst habe sich bei den Begehrlichkeiten die Carta von Turin durchgesetzt. Damit verdrängt der original erhaltene, patinierte Klassiker das top-restaurierte Modell vom Thron. Und genau hier setzt Glasurit inzwischen an. Technologien werden mittlerweile in Hiltrup entwickelt, die eine Oberflächenreparatur ermöglichen, deren Ergebnis dem strapazierten Original mit allem Charme der Patina entspricht. Und das ist erst der Anfang!

Jedenfalls ist Glasurit nun offizieller Partner der FIVA zu allen Fragen einer originalen Oberfläche, sei es im konservierten Zustand aus Jahrzehnten, sei es im Neulack mit Originalfarbton und mit perfekt gealterter Oberfläche – das bleibt spannend!

Die Entwicklung der Lackierung vom Kutschenbau bis in die Moderne kann man übrigens am Glasurit-Stand auf der Techno Classica in Essen erleben.

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