Eine Fehlkonstruktion zum Verlieben

Mit dem David-Dreirad aus Barcelona in Spanien ist uns bei der Classic Gala in Schwetzingen eines der kuriosesten Autos untergekommen, das wir jemals gesehen haben. Irgendwie hat man das Gefühl, der Konstrukteur Jose Maria Armangue sei versessen auf eine komplett neue Lösung gewesen, als er dieses Mobil ersonnen hat.Das beginnt schon bei der Karosserie.  Die Fächer des außenliegenden Rohrrahmens wurden, ähnlich wie bei einem alten Krankenhausbett, mit eingeschraubten Blechen ausgefüllt, was ja schon eigenwillig genug ist. Aber die Konstruktion des Antriebsstrangs ist wirklich eine Sehenswürdigkeit.

Das kuriose Gefährt kam 1954 auf den Markt. Dieses Modell ist von 1957. Gut kann man hier die Seilzugbremse am Achtzoll-Rad erkennen. Das Vorderrad ist ungebremst…

 

Der gebläsegekühlte Einzylinder-Zweitakter mit 345 Kubikzentimetern leistet 10 PS und katapultiert den kleinen Roadster, so man sich traut, auf 68 Stundenkilometer. Dazu ist der Motor mit dem Antriebsrad darunter wie bei einem Fahrrad an einem Lenkkopf aufgehängt, und die ganze Mimik dreht beim Lenken mit. So wie es aussieht, ist der Motor dabei starr am Lenkkopf angesetzt und das angetriebene Rad darunter an einer gebogenen Blattfeder aufgehängt. Beim Einfedern dürfte also ein Kettenspanner dafür sorgen müssen, dass es keinen Bruch am Antrieb gibt…

Irgendwie schnackt einem die brechende Feder doch schon optisch wie eine Peitsche entgegen. Aber es hält doch!

Eine ähnliche Lösung haben wir auch schon bei den frühen Bond-Threewheelern aus England gesehen, und auch beim Tempo Hanseat-Lastendreirad aus Harburg war die Technik ähnlichen Belastungen ausgesetzt. Haarsträubend allerdings fanden wir dann doch die Lenkung. In einen offenen Zahnkranz greift die verzahnte Lenksäule, links und rechts ist ein Blech als Lenkanschlag angeschraubt. Bei den wirkenden Kräften hat man schon optisch das ungute Gefühl, dass unter Belastung die Lenkung versagen muss, wobei die ganze Mimik praktisch an drei Zahnflanken hängt, die darüber entscheiden, ob es in die Kurve geht oder eben nicht…

Das Lenkrad stammt von der Auto-Union, die als IMOSA in Spanien produzierte. Der Hebel der offenen Kulissenschaltung ragt keck in den Innenraum.

Schön auch die in einer offenen Kulisse geführte Dreigangschaltung, deren komplexe Anlenkung bei genauem Hinsehen über dem Lenkkopf zu erkennen ist. Am winzigen Achtzoll-Vorderrad gibt es übrigens keine Bremse, dafür werden die beiden Hinterräder per Seilzug gebremst.

Das David-Dreirad ist eine echte Rarität, von der wohl kaum eine Handvoll erhalten ist. Es ist sicherlich ein Erlebnis, damit eine Runde zu drehen, aber beunruhigen dürfte das gleichwohl…

Das Auto bei uns in der App: http://www.oldtimerapp.com/index.php?menu=2&idFahrzeugFilter=17784&Oldtimer-Modell=Dreirad 

Die Lenkung im Detail. Hier müsste jeder Prüfingenieur eigentlich sofort einen Schweißausbruch bekommen…

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