Das Wrack des Leopardenfell-Diktators im Essener Hinterhof

Eine der ganz großen Raritäten wurde am Freitagabend bei Nacht und Nebel auf der Techno Classica in Essen im Hinterhof abgeladen. Man hat sich ja längst an die Flut von Pretiosen gewöhnt, aber dieses Modell ist schon von einem ganz besonderen Kaliber. „Der ist aus dem Tschad“, raunt uns jemand zu, und schon wird die Geschichte richtig interessant…

Den Mercedes 600 Landaulet gab es in lediglich 59 Exemplaren. Die sechstürige Staatslimousine mit hinterem Cabrioverdeck zum gepflegten Winken hinunter auf den Pöbel war bei allen Despoten dieser Welt ein heißbegehrtes Symbol des eigenen Schwergewichts. Dabei war der 600er, gebaut von 1964 bis 1980, für Mercedes immer ein Zuschuss-Geschäft, wobei das Prestige der Fahrzeuge in TV-Übertragungen natürlich einiges an Wert wieder einspielte – so hatte eine Staatslimousine eben auszusehen, was die Herrschaften bei Rolls-Royce, mit Verlaub, wohl auf die Palme brachte. Apropos Palme: Darunter machte sich der handgefertigte Schlitten scheinbar ganz besonders gut, wie eine kleine Liste an stolzgeschwellten Persönlichkeiten im bequemen Fond erahnen lässt: Der Papst zum Beispiel. Ok. Aber auch die Präsidenten von Gabun, Kamerun und Senegal, Idi Amin, Bokassa, Mao Tse Tung und der Schah von Persien, der Sultan von Brunei und selbst der Sozialist Tito. Ach ja, der andere Sozialist, Ceausescu in Rumänien, der hatte gleich zwei. Und in Bulgarien fuhr er auch, als ein Moped sonst noch Luxus war. Das Modell im Bild ist aber wohl nicht aus dem Tschad, wie man uns zuraunte, denn von diesem geht das Märchen, es sei sogar in einer Halde eingebuddelt gewesen. Wenn es dann stimmt. Es ist wohl eher der Wagen des „Leopardenmannes“, eines er korruptesten Typen der Weltgeschichte, Mobutu Sese Seko, dem Tyrannen aus dem Kongo, der von 1965 bis 1997 sein brutales Regiment führte. Mit der Leopardenfellmütze auf dem Kopf, soll er seinen geliebten Mercedes gern und oft selbst gefahren sein. Da kann man sich ja fast schon über den Zustand dieses delikaten Fahrzeugs freuen: Er ist nicht verrostet. Er wurde ausgeschlachtet. Aber nicht die Teile, die bei uns gegen Gold aufgewogen werden, fehlen. Nein, es fehlen die Dinge, die jeder arme Teufel für den Basar gebrauchen kann. Die Lautsprecher zum Beispiel, die Schalter und natürlich die Champagner-Bar aus der Mittelkonsole. Das hat der alte Despot doch nun wirklich verdient. Und wer den 600 Landaulet kauft, der wird ihn schon wieder hinbekommen. Wir würden jedenfalls auch das Lenkrad wechseln. Es klebt eine Menge Blut daran.

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